Inklusion ist ein Menschenrecht!

Warum Inklusion wichtig ist

Gestern habe ich im Internet rumgesurft und bin dabei auf einen Beitrag in einem Mütter-Forum gestoßen. Solche Beiträge sorgen bei mir immer für Wut im Bauch. Es gibt um das Thema Inklusion. Es fielen in den Beiträgen, nicht in allen, Begriffe wie „Bremsen“, „Normale Grundschüler“, „gesunde Köpfe“. Leute, was soll das? Gehts noch schlimmer? Hier haben sich einige Diskussionsteilnehmer an sehr primitiven Schubladen bedient.

Inklusion ist ein Grundrecht!

„Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden. Niemand darfwegen seiner Behinderung benachteiligt werden.“

Diese viel zitierten Sätz stammen aus dem deutschen Grundgesetz. Auch in der UN-Behindertenrechtskonvention geht es um dieses wichtige Thema. Diese Konvention wurde im Jahr 2006 von insgesamt 178 Statten unterzeichnet und formuliert, dass Inklusion ein Menschenrecht ist. Ein Menschenrecht? JA, genau! Und das ist auch gut so. Und grade deswegen ist das der Weg, den wir alle beschreiten müssen. Es führt kein Weg dran vorbei. Und wenn dieser Gedanke in allen Köpfen ist, können wir aufhören zu maulen und Gegen-Argumente zu finden und uns auf Lösungen konzentrieren.

Was ist Inklusion?

Vielleicht denkst du bei dem Begriff Inklusion an Menschen mit Behinderungen. Das ist garnicht schlimm, wer weiß sowas schon, wenn man sich noch nicht damit beschäftigt hat. Aber du liest diesen Artikel und das freut mich wirklich sehr. Inklusion bedeutet, dass jeder Mensch dazu gehört. JEDER meint hier, dass nicht nur Menschen mit Behinderungen dazu gehören, sondern alle Menschen unabhängig von ihrer sexuellen Neigung, Religion, Herkunft, Haarfarbe, ihrem IQ, Sehstärke, Gewicht und so weiter. Du merkst schon, von Inklusion profitieren wir alle! Alle Menschen sollen die gleichen Möglichkeiten bekommen im Kindergarten, in der Schule, bei der Arbeit oder in der Freizeit. Denn wenn eines wirklich normal ist, dann das wir verschieden sind.

Dieses Verschieden-sein ist schön, denn wie sähe die Welt wohl aus, wenn wir alle gleich wären? Aber natürlich entstehen durch diese Unterschiede auch Chancenungleichheiten. Und diese soll es nicht mehr geben, denn niemand darf benachteiligt werden.

Das bedeutet, dass wir Barrieren abbauen müssen. Barrieren können Treppen in Gebäuden sein, zu kleine Schrift auf Homepages oder starke Bordsteinkanten. Und Barrieren in den Köpfen. Inklusion beginnt mit einer Haltung, in der wir die Grundrechte aller Menschen akzeptieren.

„Chancengleichheit besteht nicht darin, dass jeder einen Apfel pflücken darf, sondern dass der Zwerg eine Leiter bekommt.“ 

(Reinhard Turre)

Mit Mut gegen Ausgrenzung

Inklusion ist also nicht nur für Menschen mit Behinderung! Trotzdem werden Menschen, die eine Behinderung haben, oft ausgegrenzt. Dabei sollen doch alle die gleichen Möglichkeiten haben. Diese Ausgrenzung passiert noch in allen Lebensbereichen, beispielsweise im Kindergarten, und er Schule, auf dem Arbeitsmarkt und in der Freizeit. Also überall. Die Aktion Mensch gibt an, dass momentan in Deutschland jeder achte Mensch eine anerkannte, diagnostizierte Behinderung hat und dass es in Wirklichkeit noch viel mehr sind. Viele Einschränkungen fallen garnicht auf, so dass sie nicht diagnostiziert sind und in dieser Statistik nicht auftauchen. Wir können also davon ausgehen, dass in Wirklichkeit noch viel mehr Menschen betroffen sind.

Inklusion in Deutschland

Die Anzahl der Förderschulen ist hier in NRW seit Jahren rückläufig, was die letzte rot-grüne Regierung vorangetrieben hat. Die schwarz-gelbe Regierung möchte das nun wieder ändern. Vom eingeschlagenen, richtigen Weg wird jetzt wieder abgewichen oder umgekehrt. Und wieso? Weil Lehrer, Schüler und Eltern verärgert und verunsichert waren. Die Umsetzung der Inklusion an den Schulen wurde bemängelt, es gäbe zu wenig Fachpersonal. Und die naheliegende Lösung ist natürlich die Inklusion wieder einzudämmen und Kinder mit Behinderungen wieder separat zu beschulen. Ironie-off! Darf man sich einfach umdrehen und zurücklaufen, nur weil der Weg steinig ist? Inklusion ist keine Sache von good-will. Inklusion ist ein Grundrecht! Ich habe mitbekommen, wie viele Lehrerinnen und Lehrer und Eltern über Inklusion schimpfen und über die Last. Und das kann ich so gut verstehen. Da befiehlt man hopplahopp Inklusion, ohne sich vorher Gedanken zu machen. Da wäre ich auch sauer und frustriert. Lehrerinnen und Lehrer haben einen viel höheren Aufwand, ohne zusätzlich ausgebildet oder ausgestattet zu sein. So kann das doch nicht klappen. Aber wessen Verantwortung ist es denn, für eine gute Umsetzung sorge zu tragen? Die der Schüler oder die der Eltern? Die bekommen die Wut ab, obwohl sie es nicht verbocken. Und die Schüler werden ausgeschlossen, weil es Politiker nicht hinbekommen, für Inklusion zu sorgen. Ich bin mir ganz sicher, wenn die Ressourcen, also Klassenräume, ausgebildete Lehrer da wären, würden viele Lehrer Inklusion mittragen.

Aber genug gemotzt. Ich bin der Meinung, dass Inklusion gelingen kann. Ich bin felsenfest davon überzeugt!

Inklusion im Kindergarten ? So kann es klappen

Inklusion kann dann funktionieren, wenn Barrieren abgebaut und Möglichkeiten bereitgestellt werden. Fangen wir im Kindergarten mal an. Hier gehen alle Kinder in eine Gruppe. Im Laufe der Zeit fällt auf, dass ein Kind anders ist. Nehmen wir mal an, es kann Aufträge nicht umsetzen und beim Zählen benötigt es auch Unterstützung. Dann beantragt der Kindergarten bzw. die Eltern eine Integrationsfachkraft. Die Eltern müssen anhand einiger Nachweise darstellen, wieso das Kind so behindert ist, dass es zusätzliche Hilfe benötigt. Inklusion könnte hier so umgesetzt werden: In jedem Kindergarten wird vorgeschrieben, dass pro 20 Kinder eine Heilpädagogin oder ein Heilpädagoge beschäftigt sein muss. Wir würden so vermeiden, dass ein Kind erst abgestempelt werden muss, bevor es Hilfe bekommt. Hiervon würden auch all die anderen Kinder profitieren, die vielleicht nur in einem kleinen Bereich Unterstützung brauchen. Und all die Eltern die Fragen zu Entwicklungsthemen der Kinder haben. Wenn man sich vorstellt, dass die Integrationsfachkraft immer an der Seite des Kindes ist und dauerhaft mit zusätzlichen Übungen zum Aufgabenverständnis und Umgang mit Zahlen zu versorgen, was passiert dann? Richtig, es wird nicht integriert sondern stigmatisiert. Und das ist nicht Inklusion. Wie ist das mit Menschen aus anderen Ländern? Ich begleite auch Familien, die grade deutsch lernen. In der Kita erhält eine Familie keine Informationen, weil sie sie nicht versteht. Inklusion würde funktionieren, wenn in der Kita grundsätzlich alle Erzieherin englisch sprechen könnten und Informationen in vielen Sprachen angefertigt werden. Ja, das ist Arbeit. Aber Inklusion ist ein Grundrecht!

Inklusion in der Schule

Ja, auch hier kann Inklusion gelingen. Ich denke wir müssen anfangen, die Studiengänge der Lehrer zu reformieren und mehr sonderpädagogische und heilpädagogische Anteile mit reinnehmen. Alle Kinder können in einer Grundschule eingeschult werden, unabhängig vom Entwicklungsstand oder anderweitiger Diagnosen. Die Klassen müssen individuell angepasst werden, an die Mischung der Schüler. Unterstützend zur Klassenlehrerin können weitere Sonderpädagoginnen oder Sonderpädagogen, Erzieherinnen oder Pflegekräfte eingesetzt werden. Die Lehrer haben die Aufgabe die Lerninhalte in verschiedenen Niveaus vorzubereiten, so wie es auch in all den altersübergreifenden Klassen gemacht wird. Die Kinder, die Unterstützung benötigen, erhalten diese von den zusätzlichen Lehrkräften. Jede Klasse muss einen Nebenraum haben, in dem Gruppenarbeiten stattfinden können. Oft kommt jetzt die Anmerkung:“Es gibt aber die Schüler, die das nicht können…mit so vielen Kindern und…“. Ja, die gibt es auch. Aber der Trick an Inklusion ist in meinen Augen, dass auf die einzelnen Schüler eingegangen wird. Klar passt sich ein Mensch mit einer Autismusspektrumstörung nicht unauffällig in eine 25-er Klasse ein. Individuell meint hier, dass wir schauen, was dieses Kind benötigt, um mit allen anderen lernen zu können. Und wenn das bedeutet, dass er einen Einzelplatz hinter einer Wand hat oder einen Gehörschutz trägt, dann ist das ok. Der Mensch ist ein soziales Wesen, wir brauchen soziale Kontakte. Und auch hier muss ich sagen, dass das viel Arbeit ist. Aber die müssen wir leisten, denn Inklusion ist ein Grundrecht!

Ich bin mir sooo sicher: Wenn wir Gelder und Ressourcen umverteilen, wenn wir den Lehrplan der Lehramtsstudenten und das Schulsystem reformieren und mutig sind, kann Inklusion gut werden!

Wie erlebt ihr die Inklusion heute? Welche Berührungspunkte habt ihr mit Inklusion oder Ausgrenzung?

2 Gedanken zu „Inklusion ist ein Menschenrecht!“

  1. Hallo Christina,
    so wahr! Ich erlebe Inklusion auch als schwierig in der Umsetzung. Wir haben zu wenig ausgebildete Fachkräfte. Ich finde auch, jede Kindergartengruppe und jede Schulklasse würde von einer zusätzlichen Kraft profitieren. Das könnte auch eine Erzieher*in mit Zusatzausbildung oder eine Heilpädagog*in sein. Dann wird nicht ein Kind stigmatisiert, wie du schon schreibst und der bürokratische Aufwand wäre geringer.
    Ich bin gespannt wann wir so weit sind. Früher wurden Menschen mit Behinderung in die äußeren Stadtteile abgeschoben. Manchmal glaube ich, dass Menschen auch Angst vor Menschen haben die anders sind. Einmal begegnete ich einem Rollstuhlfahrer auf dem Fahrradweg. Er war laut am schmpfen. Sein Fuß war nicht mehr auf dem Tritt und er versuchte sein Bein mit Mühe anzuheben. Ich war die Einzige, die anhilet und fragte, ob er Hilfe brauchte. Er schrie „Nein.“ Auf der anderen Seite guckten die Leute nur rüber. Ich denke, dass wir im Alltag so wenige Berühungspunkte mit Menschen mit Behinderung haben, dass wir manchmal gar nicht wissen, wie wir uns denn verhalten sollen. Wäre Inklusion schon weiter, hätten wir das als Kinder schon erlebt und gelernt.
    Ganz liebe Grüße,
    Sonja

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