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Ganz normal?

Was ist normal bei Kindern?

Weißt du was? Ich wette, du bist nicht normal! Ups, das saß jetzt, oder? Wie ich darauf komme? Es gibt mit Sicherheit einen oder mehrere Bereiche, in denen auch du nicht der Normalität entsprichst. Und das ist auch gut so! Aber lies weiter, dann verstehst du, was ich meine.

„Also das finde ich jetzt nicht mehr normal…“ Diesen Satz höre ich so oft. In der Freizeit und auch bei der Arbeit. Normal, was ist das eigentlich? Und wer legt das fest? Wenn ein Kind ein Verhalten zeigt, dass du nicht kennst oder das dich überrascht, ist das dann automatisch unnormal? Grade Kinder zeigen ein so breit gefächertes Potpourri an Verhalten. Wer will denn da beurteile, was normal ist und was nicht? Und was hat das für Konsequenzen, wenn mein oder dein Kind Verhalten zeigt, was andere nicht normal finden? Es gibt auch Dinge, die Kinder tun, die sind nicht normal, gehören aber zur Entwicklung.

Ganz nullachtfuffzehn eben

Die Wörter „Normal“, „Unnormal“ oder „Normalität“ werden von uns heutzutage ziemlich wild benutzt. Manchmal völliger Mumpitz. Fragt man mal nach…uuh, dann wird’s heiß!

Was heißt „Normal“?

Normal kommt übrigens aus dem lateinischen und bedeutet so viel wie „der Regel entsprechend“. Jetzt müsste man nur wissen, was denn die Regel ist. Normalität ist soziologisch gesehen, das, was wir gesellschaftlich gesehen so tun sollten. Das ist gemeint, wenn es mal wieder heißt:“Das macht man doch so“. Diese „Norm“ ist in unserer Gesellschaft entstanden und wird in Erziehung und Sozialisation immer weiter gegeben. Über diese Normen wird nicht, laut Definition, mehr entschieden oder diskutiert. Es ist zum Beispiel bei uns Normalität, dass wir Hosen oder Röcke tragen. Auf jeden Fall untenrum nicht nackt! Das stellt keiner mehr in Frage. DAS ist Normalität. Einige Völker im Amazonasgebiet oder im Süden von Afrika tragen auch heutzutage keine Kleidung. Daran merkt man, dass Normalität nichts ist, was festgeschrieben irgendwo steht und für die ganze Welt gilt. Normalität wird von der Umwelt und der Gesellschaft bestimmt.

Und genau da haben wir schon ganz große Fortschritte gemacht. Noch vor Jahren war es normal, dass Männer Frauen heiraten, Menschen mit Behinderungen in Wohnheimen außerhalb von Ortschaften wohnten. Es war normal, dass Eltern ihre Kinder mit Gewalt züchtigen. Normal war auch, dass Kinder gehorsam sind und das es ein Wohnzimmer gab, in welches man nur Sonntags in schicker Kleidung sitzen durfte. Normalität entwickelt sich also mit der Zeit weiter. Die Kinder, die heute heranwachsen haben ganz andere Möglichkeiten als unsere Eltern, als sie noch klein waren.

Und grade weil so viele Sachen in Wirklichkeit normal sind und total oft vorkommen, hab ich das zum Thema für diesen Blogpost gemacht. Unter Eltern werden manche Themen der Kids aus Angst vor Ächtung der Artgenossen nicht besprochen. Wir verurteilen und beurteilen so oft vorschnell. Aber wenn wir alle mehr reden würden, würden wir ruckizucki feststellen, dass viele Kinder die gleichen Eigenarten haben. Was wäre das für eine Erleichterung.

Lügen, bis sich die Balken biegen

Ihr glaube nicht, wie viele Kinder lügen. Aber Erwachsene auch. In Studien wurde herausgefunden, dass ein Erwachsener bis zu 200 mal täglich lügt. Hierbei sind auch Übertreibungen oder Floskeln wie „Mir gehts gut“ mitgezählt. Woher soll also ein Kind wissen dass die Eltern lügen nicht mega toll finden? Manchmal verlangen wir ja sogar von den Kleinen, dass sie lügen oder flunkern. Meist um andere nicht zu verletzen. Beispielsweise:“Sag XY bitte, das war sehr schön bei euch“ oder „Sag doch bitte, wie gut es dir geschmeckt hat“. Wie soll da ein Kind denn lernen, was jetzt richtig und was falsch ist?Im Grunde kann man sagen, dass diese kleinen Lügen dazu beitragen, das soziale Leben etwas zu vereinfachen.

Lügen und Dichtung sind Künste.

Oscar Wilde

Klar, können wir alle allen vor den Latz knallen, was wir meinen. Aber mit Fingerspitzengefühl und hier und da einer klitzekleinen Notflunkelei lässt sich manch unnötiger Zank vermeiden. Ich meine natürlich nicht, dass wir unsere Meinung nicht sagen sollen oder unsere Kinder dazu erziehen rückgratlose Aale zu werden. Aber nicht jeder vorhersehbare Streit ist es wert. Wir könnten also festhalten, dass lügen bei Kindern nicht nur normal, sondern wertvoll ist. Kinder die flunkern können, sind kreativ und haben soziale Fähigkeiten.

Na gut, jetzt wollen wir ja nicht lauter Münchhausens heranzüchten und deswegen nicht nur mit Applaus auf die neuste ausgedachte Geschichte reagieren. Hilfreich ist es deswegen, mit dem Kind zu sprechen und Konsequenzen des Handelns zu erklären. Du kannst auch fragen, was dein Kind mit der Lüge jetzt bezwecken wollte? Wollte es vielleicht einfach etwas vermeiden? Auf jeden Fall ist schimpfen und bestrafen nicht das richtige.

Doktorspiele und kindliche Sexualität

Das Thema Sexualität bei Kindern beunruhigt Eltern, wie kein anderes Thema. Im Kindergarten entwickeln fast alle Kinder von drei bis sechs Jahren Neugierde am eigenen und am anderen Geschlecht. Und wenn die Gelegenheit da ist, zeigen sich die Kinder gegenseitig, was sie haben. Jede*r viele Erzieher*innen wissen, dass das normal ist. Erfahren die Eltern davon, sind sie oft erschrocken, beunruhigt und haben Angst davor, dass ihr Kind mit nicht-zu bändigenden Triebtäterin untergebracht ist. Aber ihr könnt in den meisten Fällen locker bleiben. Das Vergleichen und Unterscheiden der Genitalien der Kinder ist vollkommen natürlich und befriedigt die Neugier der Dreikäsehochs. Kinder dürfen das. Aber nur solange, wie alle damit einverstanden sind. Die Grenzen anderer überschreiten und etwas tun, was das andere Kind nicht mag, ist ein No-Go. Und genau das kann mit den Kindern besprochen werden. Wenn du Kinder dabei „erwischt“, dann mach das Doktorspiel nicht zu etwas verbotenen, sondern sei interessiert und lass den Kindern den nötigen Freitraum, aber bleibt im Gespräch. Dann wird der eigene und der andere Körper mit der Zeit bekannt und somit uninteressant. Wird dieses Verhalten verboten und tabuisiert, führt das wahrscheinlich zu Heimlichkeiten und Geheimnissen. Für Kinder im Schulalter gibt es beispielsweise ein ganz tolles Buch, welches ich schon in der Grundschule gelesen habe. Die Eltern von Peter und Ida sprechen im Buch „Peter, Ida und Minimum“ * mit ihren Kindern ganz offen über alles, was mit Liebe und Sex zutun hat. Ganz schön für Kinder sind auch die Aufklärungsbücher „Klär mich auf“ und „Klär mich weiter auf„. In diesen recht günstigen Büchern findet ihr vielleicht auch die passenden Worte, falls die einfach mal fehlen. Ganz wichtig ist, dass du deinem Kind beibringst, NEIN zu sagen, um Missbrauch vorzubeugen.

Und stottern?

Ja, auch das Stottern ist in bestimmten Entwicklungsphasen normal. 8 von 10 Kindern haben in der Kindheit eine Phase, in der sie stottern. Das liegt meistens daran, dass die Gedanken weiter sind, als die Sprache. Die Worte brauchen dann einen Moment länger, um geordnet aus dem Mund zu kommen. Wichtig ist hierbei, die Sätze der Kinder nicht für sie zu beenden und sie nicht auszulachen oder nachzumachen. Ja, das kommt wirklich vor. Bei Unsicherheiten kannst du auf jeden Fall mit dem Kinderarzt darüber sprechen.

Der mittlerweile verstorbene Sänger Scatman John beispielsweise stotterte und sang darüber:

„Everybody stutters one way or the other
So check out my message to you
As a matter of fact, I don’t let nothin‘ hold you back
If the Scatman can do it, so can youEverybody’s sayin‘ that the Scatman stutters
But doesn’t ever stutter when he sings
But what you don’t know, I’m gonna tell you right now
That the stutter and the scat is the same thing“

Scatman John: „Scatman (ski-ba-bop-ba-dop-bop)“

Es gibt wirklich noch viel, viel mehr Sachen, die bei Kindern normal sind, uns aber immer wieder beunruhigen. Wünscht ihr euch noch mehr zu diesem Thema?

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