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Familienprobleme lösen, jetzt mal anders

Die Familienaufstellung

Jetzt würdest du hier wahrscheinlich einen Blogbeitrag zu Corona erwarten, zu Recht. Das ist ja im Moment DAS Thema. Aber ich glaube, jeden Artikel dazu gibt es schonmal. Auch schon mehrfach. Wer braucht jetzt die dreißigste Ideensammlung zur Beschäftigung von Kindern? Oder Anleitungen für Basteleien? Siehste? Deswegen dachte ich mir, ich schreib mal was ganz anderes.

Grade in Zeiten der Entschleunigung denken wir viel nach. Wir setzen uns mit Dingen auseinander, die mal passiert sind. Schönes und nicht so schönes. Viele Familien streiten, was total normal ist. By the way: Wenn mir Eltern erzählen, dass es in der Familie keinen Streit gibt, dann alarmiert mich das eher. Wenn der Streit aber für ein Familienmitglied unerträglich und belastend wird, gibt es aus der systemischen Richtung eine wirklich wirkungsvolle Methode. Und die möchte ich dir vorstellen.

Wo kommt die Familienaufstellung her?

Virginia Satir war eine us-amerikanische Familientherapeutin. Sie hat in den 70ern erstmals eine Art von Aufstellungen entwickelt und unter dem Begriff der Familienskulptur angewandt. Sie wird sie oft „Mutter der Familientherapie“ genannt, weil sie dieses Fachgebiet mutgeprägt hat. Virginia Satir hat die Familienskulptur damals mit den wirklichen Familienmitgliedern aufgestellt. Jedes Mitglied konnte sich dann zu seinen Gedanken und Gefühlen äußern. Hieraus konnten sich dann Informationen für die Klärung von Konflikten ergeben.

Who the fuck is Bert Hellinger?

Jetzt mache ich mal einen kurzen Exkurs. Denn in jedem Bereich gibt es schwarze Schafe, die dafür sorgen, dass Bilder von Berufsgruppen entstehen. Auch Bert Hellinger nutzte das Familienaufstellen. Es wird sogar manchmal (von seinen „Jüngern“) angegeben, dass er der „Erfinder“ war. Seine Art der Familienaufstellung unterscheidet sich jedoch grundlegend von der systemischen Art der Aufstellung. Hellinger geht beispielsweise davon aus, dass jede Familie eine gewisse natürliche Ordnung hat, die in jedem Fall wiederhergestellt werden muss. Ist diese natürliche Ordnung „gestört“, führt dies zu Krankheiten bei verschiedenen Familienmitgliedern. In der natürlichen Ordnung steht immer der Mann, dann die Frau und dann die Kinder in Altersfolge.

„So berichtet eine Frau während einer Aufstellung, dass sie sich von ihrem ersten Mann getrennt habe und dass sie vor einigen Jahren an Gebärmutterkrebs erkrankt sei. Hellingers Schlussfolgerung lautet: Sie habe ihrem Ex-Mann Unrecht getan, und so etwas räche sich meist – zum Beispiel, indem eine Frau Krebs bekomme.“*

Hellinger stellt auf großen Bühnen auf. Hierfür nimmt er von Zuschauern und Teilnehmern horrende Eintrittsgelder. Hellinger stellt dann Diagnosen, die manchmal wahnwitzig und krude erscheinen. Hellinger demütigt seine Klienten in aller Öffentlichkeit. Und das alles schadet dem Ruf von jede*r einzelnen systemischen Berater*in die Systemaufstellungen anbietet. Aber jede*r darf selber für sich entscheiden, ob er oder sie eher die eine oder die andere Art von Aufstellungen machen möchte. Ich kann aber nur raten, eine Suchmaschine zu benutzen, um mal zu schauen, welcher Ansatz für welches Vorgehen steht. Grade zu Bert Hellinger Aufstellungen, findet man viele Ausführungen. Teilweise auch Videos oder schriftliche Aufzeichnungen. So kann sich jede*r ein gutes Bild davon machen, ob dies in Frage kommt oder eher nicht.

Was passiert bei Familienaufstellungen?

Bei einer Familienaufstellung wird die Familie mit sogenannten Stellvertretern angeordnet wird. Stellvertreter sind Personen, die von der Ratsuchenden Person asugesucht werden. Die ratsuchende Person darf sich aussuchen, wer am Besten zu einer Rolle passt. Mit der Systemaufstellung kann auch jedes andere System aufgestellt werden, wie das Team bei der Arbeit oder die Nachbarschaft, ich gehe hier aber nur auf die Familie ein. Eine Person, also das Familienmitglied, das eine Frage hat, bringt in einer größeren Gruppe ein Anliegen vor und wird vom Berater dazu knapp befragt.

Die Familienmitglieder, die für das Anliegen oder die Fragestellung bedeutsam erscheinen, werden dann, vom Ratsuchenden (Familienmitglied mit Frage oder Anliegen) aus der Gruppe ausgesucht und im Raum positioniert. Dann kann der Ratsuchende die Stellvertreter noch verändern, indem beispielsweise der Kopf gedreht oder der Arm bewegt wird. So ergibt sich zum Beispiel eine Blickrichtung. Auch die Abständen zwischen den Menschen, werden den realen Vorbildern angepasst. Beim Aussuchen wird wirklich nur auf Gefühl geachtet. Während der Aufstellung nehmen die Stellvertreter an ihrem Platz mit ihrem Körper verschiedene Empfindungen wahr.

Der Aufstellungsleiter stellt dann Fragen. Die Antworten auf diese Fragen können für den Ratsuchenden dann tatsächlich aufschlussreich sein. Sie passen wirklich oft genau zu den dargestellten Personen und helfen den Ratsuchenden andere Positionen nachvollziehen zu können. Oft entdecken sie hierbei Faktoren, die sie bisher gar nicht bedacht haben. Diese Äußerungen sind oft realistisch, obwohl die aufgestellten Personen die Familienmitglieder garnicht kennen. Die Gefühle, die diese Stellvertreter dann fühlen, sind oft so real und eindrücklich.

Ich habe schon einige Aufstellungen gemacht. Dabei war ich Aufsteller, Stellvertreter und auch mal Zuschauer. Ich war so überrascht, wie stark diese Gefühle sein können. Und das, ohne die Familie zu kennen.

Was bringt eine Familienaufstellung?

Diese möglicherweise neuen Sichtweisen zur eigenen Lebensgeschichte können dazu führen, dass wir Probleme oder Konflikte nochmal neu bewerten. Sie können das Familienmitglied, welches Rat gesucht hat, dazu veranlassen, mit dem Berater andere Verhaltensweisen oder Lösungsmöglichkeiten zu finden. Bert Hellinger gibt seinen Ratsuchenden die Diagnose und die Lösung vor. Das tue ich nicht. Und auch sonst kein systemischer Berater, den ich kenne. Im Anschluss wird in einem Gespräch das Gesehene besprochen. Hieraus ergeben sich dann Veränderungen für den Alltag und im Umgang mit dem Konflikt oder mit der Fragestellung.

Warum funktionieren Familienaufstellungen?

Ja, auch ich finde das, was bei Familienaufstellungen passiert, total spannend. Ganz oft kommt die Frage auf, was da passiert. Wie funktioniert das? Aber ich bin ganz ehrlich: Ich weiß nicht, wie diese Gefühle und das Wissen zustande kommen. Aber es gibt viele Vorgänge, die niemand bisher erklären konnte. Ich würde es nicht glauben, wenn ich es nicht schon selber erlebt hätte. Die, die mich kennen, wissen das. Ich habe aber schonmal an einer Aufstellung teilgenommen, bei der ich stellvertretend für jemanden stand. Jedoch hatte ich über das komplette Thema keinerlei Informationen. Ich wusste nicht, worum es geht. Ich hatte noch nicht mal eine Ahnung ob ich einen Mann, eine Frau oder ein Kind darstelle. Das war eine sogenannte verdeckte Aufstellung. Niemand hatte irgendwelche Infos, nur der Ratsuchende selber! Und das hat tatsächlich funktioniert. Bei einer Aufstellung stellt der Ratsuchende die Stellvertreter für die Familienmitglieder sehr intuitiv im Raum auf.

Experten nehmen an, dass so ein inneres Bild der Familie im Raum „erzeugt“ wird. Dadurch, dass der oder die Ratsuchende die Stellvertreter in die jeweilige Position bringt, werden scheinbar Gefühle und manchmal sogar körperliche Merkmale übertragen.

Gründe für Familienaufstellungen:

  • Bei einer Familienaufstellung können die Beziehungen zwischen den Familienmitgliedern visualisiert werden. Viele Menschen, die Beratung suchen, finden es hilfreich, wenn Inhalte sichtbar gemacht sind.
  • Auch Verbindungen, die vorher garnicht beachtet wurden, treten in den Vordergrund und werden gesehen.
  • Systemaufstellungen funktionieren in anderer Form auch in Einzelgesprächen, beispielsweise mit dem Familienbrett.

Wobei kann eine Familienaufstellung helfen?

  • Immer, wenn es eine klare Frage oder ein Anliegen gibt
  • Schwierigkeiten im Kontakt zu unserer Herkunftsfamilie
  • Abgrenzungsprobleme
  • Schwierigkeiten in der Erziehung
  • berufliche Schwierigkeiten
  • Entscheidungen
  • Schuldgefühle

Jetzt ist eine Familienaufstellung natürlich nich das Allheilmittel für jede Art von Problemen. Nach jeder Aufstellung arbeitet der Berater oder die Beraterin auf, was passiert ist. Eine Aufstellungen sollte immer eingebettet sein, in Gespräche. Jemand, der diese intensive Erfahrung gemacht hat, sollte nicht unmittelbar in den „Feierabend“ entlassen werden, denn die Wirkung von Familienaufstellungen ist enorm.

Hast du schonmal an einer Familienaufstellung teilgenommen? Oder hast du Interesse an einer Familienaufstellung, als Stellvertreter oder hast du vielleicht ein Anliegen?

*https://www.therapie.de/psyche/info/index/therapie/familienaufstellung/die-klassische-familienaufstellung/ (abgerufen am 21.3.2020)

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Ganz normal?

Was ist normal bei Kindern?

Weißt du was? Ich wette, du bist nicht normal! Ups, das saß jetzt, oder? Wie ich darauf komme? Es gibt mit Sicherheit einen oder mehrere Bereiche, in denen auch du nicht der Normalität entsprichst. Und das ist auch gut so! Aber lies weiter, dann verstehst du, was ich meine.

„Also das finde ich jetzt nicht mehr normal…“ Diesen Satz höre ich so oft. In der Freizeit und auch bei der Arbeit. Normal, was ist das eigentlich? Und wer legt das fest? Wenn ein Kind ein Verhalten zeigt, dass du nicht kennst oder das dich überrascht, ist das dann automatisch unnormal? Grade Kinder zeigen ein so breit gefächertes Potpourri an Verhalten. Wer will denn da beurteile, was normal ist und was nicht? Und was hat das für Konsequenzen, wenn mein oder dein Kind Verhalten zeigt, was andere nicht normal finden? Es gibt auch Dinge, die Kinder tun, die sind nicht normal, gehören aber zur Entwicklung.

Ganz nullachtfuffzehn eben

Die Wörter „Normal“, „Unnormal“ oder „Normalität“ werden von uns heutzutage ziemlich wild benutzt. Manchmal völliger Mumpitz. Fragt man mal nach…uuh, dann wird’s heiß!

Was heißt „Normal“?

Normal kommt übrigens aus dem lateinischen und bedeutet so viel wie „der Regel entsprechend“. Jetzt müsste man nur wissen, was denn die Regel ist. Normalität ist soziologisch gesehen, das, was wir gesellschaftlich gesehen so tun sollten. Das ist gemeint, wenn es mal wieder heißt:“Das macht man doch so“. Diese „Norm“ ist in unserer Gesellschaft entstanden und wird in Erziehung und Sozialisation immer weiter gegeben. Über diese Normen wird nicht, laut Definition, mehr entschieden oder diskutiert. Es ist zum Beispiel bei uns Normalität, dass wir Hosen oder Röcke tragen. Auf jeden Fall untenrum nicht nackt! Das stellt keiner mehr in Frage. DAS ist Normalität. Einige Völker im Amazonasgebiet oder im Süden von Afrika tragen auch heutzutage keine Kleidung. Daran merkt man, dass Normalität nichts ist, was festgeschrieben irgendwo steht und für die ganze Welt gilt. Normalität wird von der Umwelt und der Gesellschaft bestimmt.

Und genau da haben wir schon ganz große Fortschritte gemacht. Noch vor Jahren war es normal, dass Männer Frauen heiraten, Menschen mit Behinderungen in Wohnheimen außerhalb von Ortschaften wohnten. Es war normal, dass Eltern ihre Kinder mit Gewalt züchtigen. Normal war auch, dass Kinder gehorsam sind und das es ein Wohnzimmer gab, in welches man nur Sonntags in schicker Kleidung sitzen durfte. Normalität entwickelt sich also mit der Zeit weiter. Die Kinder, die heute heranwachsen haben ganz andere Möglichkeiten als unsere Eltern, als sie noch klein waren.

Und grade weil so viele Sachen in Wirklichkeit normal sind und total oft vorkommen, hab ich das zum Thema für diesen Blogpost gemacht. Unter Eltern werden manche Themen der Kids aus Angst vor Ächtung der Artgenossen nicht besprochen. Wir verurteilen und beurteilen so oft vorschnell. Aber wenn wir alle mehr reden würden, würden wir ruckizucki feststellen, dass viele Kinder die gleichen Eigenarten haben. Was wäre das für eine Erleichterung.

Lügen, bis sich die Balken biegen

Ihr glaube nicht, wie viele Kinder lügen. Aber Erwachsene auch. In Studien wurde herausgefunden, dass ein Erwachsener bis zu 200 mal täglich lügt. Hierbei sind auch Übertreibungen oder Floskeln wie „Mir gehts gut“ mitgezählt. Woher soll also ein Kind wissen dass die Eltern lügen nicht mega toll finden? Manchmal verlangen wir ja sogar von den Kleinen, dass sie lügen oder flunkern. Meist um andere nicht zu verletzen. Beispielsweise:“Sag XY bitte, das war sehr schön bei euch“ oder „Sag doch bitte, wie gut es dir geschmeckt hat“. Wie soll da ein Kind denn lernen, was jetzt richtig und was falsch ist?Im Grunde kann man sagen, dass diese kleinen Lügen dazu beitragen, das soziale Leben etwas zu vereinfachen.

Lügen und Dichtung sind Künste.

Oscar Wilde

Klar, können wir alle allen vor den Latz knallen, was wir meinen. Aber mit Fingerspitzengefühl und hier und da einer klitzekleinen Notflunkelei lässt sich manch unnötiger Zank vermeiden. Ich meine natürlich nicht, dass wir unsere Meinung nicht sagen sollen oder unsere Kinder dazu erziehen rückgratlose Aale zu werden. Aber nicht jeder vorhersehbare Streit ist es wert. Wir könnten also festhalten, dass lügen bei Kindern nicht nur normal, sondern wertvoll ist. Kinder die flunkern können, sind kreativ und haben soziale Fähigkeiten.

Na gut, jetzt wollen wir ja nicht lauter Münchhausens heranzüchten und deswegen nicht nur mit Applaus auf die neuste ausgedachte Geschichte reagieren. Hilfreich ist es deswegen, mit dem Kind zu sprechen und Konsequenzen des Handelns zu erklären. Du kannst auch fragen, was dein Kind mit der Lüge jetzt bezwecken wollte? Wollte es vielleicht einfach etwas vermeiden? Auf jeden Fall ist schimpfen und bestrafen nicht das richtige.

Doktorspiele und kindliche Sexualität

Das Thema Sexualität bei Kindern beunruhigt Eltern, wie kein anderes Thema. Im Kindergarten entwickeln fast alle Kinder von drei bis sechs Jahren Neugierde am eigenen und am anderen Geschlecht. Und wenn die Gelegenheit da ist, zeigen sich die Kinder gegenseitig, was sie haben. Jede*r viele Erzieher*innen wissen, dass das normal ist. Erfahren die Eltern davon, sind sie oft erschrocken, beunruhigt und haben Angst davor, dass ihr Kind mit nicht-zu bändigenden Triebtäterin untergebracht ist. Aber ihr könnt in den meisten Fällen locker bleiben. Das Vergleichen und Unterscheiden der Genitalien der Kinder ist vollkommen natürlich und befriedigt die Neugier der Dreikäsehochs. Kinder dürfen das. Aber nur solange, wie alle damit einverstanden sind. Die Grenzen anderer überschreiten und etwas tun, was das andere Kind nicht mag, ist ein No-Go. Und genau das kann mit den Kindern besprochen werden. Wenn du Kinder dabei „erwischt“, dann mach das Doktorspiel nicht zu etwas verbotenen, sondern sei interessiert und lass den Kindern den nötigen Freitraum, aber bleibt im Gespräch. Dann wird der eigene und der andere Körper mit der Zeit bekannt und somit uninteressant. Wird dieses Verhalten verboten und tabuisiert, führt das wahrscheinlich zu Heimlichkeiten und Geheimnissen. Für Kinder im Schulalter gibt es beispielsweise ein ganz tolles Buch, welches ich schon in der Grundschule gelesen habe. Die Eltern von Peter und Ida sprechen im Buch „Peter, Ida und Minimum“ * mit ihren Kindern ganz offen über alles, was mit Liebe und Sex zutun hat. Ganz schön für Kinder sind auch die Aufklärungsbücher „Klär mich auf“ und „Klär mich weiter auf„. In diesen recht günstigen Büchern findet ihr vielleicht auch die passenden Worte, falls die einfach mal fehlen. Ganz wichtig ist, dass du deinem Kind beibringst, NEIN zu sagen, um Missbrauch vorzubeugen.

Und stottern?

Ja, auch das Stottern ist in bestimmten Entwicklungsphasen normal. 8 von 10 Kindern haben in der Kindheit eine Phase, in der sie stottern. Das liegt meistens daran, dass die Gedanken weiter sind, als die Sprache. Die Worte brauchen dann einen Moment länger, um geordnet aus dem Mund zu kommen. Wichtig ist hierbei, die Sätze der Kinder nicht für sie zu beenden und sie nicht auszulachen oder nachzumachen. Ja, das kommt wirklich vor. Bei Unsicherheiten kannst du auf jeden Fall mit dem Kinderarzt darüber sprechen.

Der mittlerweile verstorbene Sänger Scatman John beispielsweise stotterte und sang darüber:

„Everybody stutters one way or the other
So check out my message to you
As a matter of fact, I don’t let nothin‘ hold you back
If the Scatman can do it, so can youEverybody’s sayin‘ that the Scatman stutters
But doesn’t ever stutter when he sings
But what you don’t know, I’m gonna tell you right now
That the stutter and the scat is the same thing“

Scatman John: „Scatman (ski-ba-bop-ba-dop-bop)“

Es gibt wirklich noch viel, viel mehr Sachen, die bei Kindern normal sind, uns aber immer wieder beunruhigen. Wünscht ihr euch noch mehr zu diesem Thema?

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Weltfrauentag

8.März – Tag der Frau oder Frauenkampftag

Sonntag ist der „Internationale Tag der Frau“. Und weißt du, was mich richtig stört? Das viele Geschäfte und Einzelpersonen aus diesem wichtigen Tag einen weiteren Geschenke-Tag machen. Ein Blumenladen hier im Ort beispielsweise warb in sozialen Netzwerken mit folgendem Spruch: „Am 8.März ist Weltfrauentag. Sei nett zu Frauen!Bring ihnen Blumen mit, denn dann merken sie, was für ein toller Typ du bist.“ IM ERNST JETZT?

Tag der Frau – Was ist das?

Der internationale Tag der Frau am 8.März wird auch als Weltfrauentag, Frauenkampftag oder internationaler Frauenkampftag bezeichnet. Im Jahr 1910 wurde von einer Frauenrechtlerin erstmals vorgeschlagen einen Frauentag einzuführen, 1975 machten die vereinten Nationen den 8.März dann zum „Tag der Vereinten Nationen für die Rechte der Frau und den Weltfrieden“. Es gibt viele Länder, in denen ist der internationale Tag der Frau ein Feiertag. So auch in Berlin!

Unter welchem Motto steht der Tag der Frau 2020?

In jedem Jahr gibt der Deutsche Gewerkschaftsbund ein Motto für den internationalen Frauentag heraus. In diesem Jahr lautet das Motto:

„Wir fairändern: #fairsorgen #fairgüten #fairteilen“.

Motto des internationalen Frauentages 2020 (DGB)

An diesem Motto merkt man vielleicht, was hier in Deutschland wichtig ist. Alles rund um das Thema Sorgearbeit muss fair gehandelt werden. Denn es gibt ihn immer noch, den Pay Gap. An diesem Tag soll auf das aufmerksam gemacht werden, woran wir hier noch arbeiten müssen. An der Gleichberechtigung!

Hier ein paar Fun-Facts:

  • Je erfolgreicher eine Frau ist, umso größer ist der Gehaltsunterschied zum Mann. In den oberen Hierarchieebenen unterscheidet sich das Gehalt sozusagen am meisten.
  • Frauen sind in börsennotierten Unternehmen in Vorständen mit 8 % immernoch stark unterrepräsentiert!
  • Während Männer im Schnitt 1150 Euro Rente beziehen, sind es bei Frauen nur 650 Euro*

Wofür wir den Frauenrechtlerinnen dankbar sein können

und das ist für mich auch der Grund, wieso wir diesen Tag nicht mit Geschenken abwerten dürfen:

  • Seit 1918 dürfen Frauen in Deutschland wählen
  • Seit 1958 dürfen Frauen ein Bankkonto eröffnen. Davor war es die Aufgabe des Mannes, das Vermögen (der Frau) zu verwalten.
  • Auch seit 1958 darf die Frau ohne Erlaubnis ihres Mannes arbeiten
  • Seit 1997 ist die Vergewaltigung in der Ehe eine Straftat!
  • Seit 2020 gelten Mentruationsartikel nicht mehr als „Luxusgüter“ und müssen nicht mehr mit 19% sondern nur noch mit 7% besteuert werden. (Die Preise haben sich im Einzelhandel dennoch nicht verändert!)

Dieser Tag darf einfach nicht zu einem weiteren Tag werden, an dem wir uns gegenseitig materielle Geschenke machen. Dieser Tag war in der Vergangenheit wichtig und ist es noch jetzt. Denn solange sogar hier in Deutschland noch so gravierende Unterschiede zwischen Menschen bestehen, muss gekämpft werden. Und wenn du denkst, dir geht es ja gut. Du hast ja alles, was du zum Leben brauchst. Dann denk an all die Menschen, die dies von sich nicht behaupten können.

Feminismus ist mehr als Alice Schwarzer

Feminismus ist nicht von gestern, denn auch heute setzen sich Frauen dafür ein, dass es endlich eine Gleichberechtigung gibt. Emma Watson beispielsweise, die viele nur als Hermine, als die naseweise Freundin von Harry Potter kennen. Ein bekanntes Zitat bringt es meiner Meinung nach wirklich auf den Punkt:

„This isn’t about ´girls are better than boys`. This is just: everyone deserves a fair chance“

*Emma Watson

Was bedeutet der Gender Pay Gap?

Der Gender-PayGap beschreibt die Lücke, den Unterschied des Lohns aufgrund des Geschlechts. Obwohl wir uns für sehr fortschrittlich halten, ist der Gender Pay Gap in Deutschland mit am höchsten im Ländervergleich. Unter gleichen Voraussetzungen erhalten Frauen im bereinigten Pay Gap 2-7% weniger Lohn als ihre männlichen Kollegen. Im ungereinigten Pay Gap erhalten Frauen sogar 21 % weniger. Der ungereinigte Pay Gap vergleicht die Bruttoverdienste und umfasst, neben den Verdiensten der Vollzeitangestellten auch die Zahlen von Praktikant*innen, Menschen in Teilzeitbeschäftigung und Schüler*innen.

Gründe hierfür kann es viele geben. Einer wird darin vermutet, dass Frauen seltener in Führungspositionen sind, als Männer. Oder auch die Tatsache, dass Frauen häufiger in Frauenberufen (dieses Wort stammt nicht von mir, checkt Gender Pay Gap gern bei Wikipedia) arbeiten, diese sind meist schlechter bezahlt. Auch hier verweise ich nochmal auf die Untersuchungsergebnisse, die auf der Seite der Hans-Böckler-Stiftung zu lesen sind. Ein weiterer wichtiger Grund liegt in der Tatsache, dass immer noch größtenteils Mütter die sogenannte „Sorgearbeit“ in Familien übernehmen. Diese Wahl trifft natürlich jede Familie für sich, jedoch gibt es immer noch wenige Familien, die sich gegen die Mainstream-Entscheidung stellen. Für die Frau in der Familie bedeutet das, dass sie Monate bis Jahre aus dem Erwerbsleben ausscheidet und in der Zeit bei Gehaltserhöhungen und Beförderungen aussetzt. Später treten die meisten Frauen dann in Teilzeit wieder ins Berufsleben ein und erhalten natürlich dann auch weniger Gehalt. All das wirkt sich dann am Ende auf die Höhe der Rente aus, die bei Frauen niedriger ist, als bei gleichaltrigen Männern. Tanzschön harter Tobak oder? Ich denk, nun wirst du mir vielleicht zustimmen. Wir sind noch nicht gleichberechtigt. Ich möchte hier nicht verschweigen, dass auch Männer benachteiligt werden. Männer, die in Elternzeit gehen, spüren hinterher nicht selten negative Auswirkungen. Gesellschaftlich ist die Rollenaufteilung in der der Mann zuhause bleibt auch nicht so gut anerkannt. Auf Stammtischniveau hört man dann oft richtig fiese Sprüche. Unwahr so doofe, die will ich hier noch nicht mal wiedergeben! Aber falls das nicht klar geworden ist: Gleichberechtigung geht immer alle etwas an. Unabhängig von IQ, Geschlecht, Religion oder was weiß ich.

Gleichberechtigung = Inklusion

In meinem Blogpost zum Thema Inklusion hab ich schon erzählt, was es bedeutet, wenn in einer Gesellschaft einige Menschen anders behandelt werden. Damit muss Schluss sein! Die Gleichberechtigung von Frauen in der Gesellschaft ist dabei ja nur einer von vielen Punkten.

*Diese und viele andere interessante Facts könnt ihr auf der Seite https://www.boeckler.de/wsi_38957.htm nachlesen!